Habt Ehrfurcht vor den Bäumen

Pflanzen und Bäume stellen durch Photosynthese aus dem Kohlendioxid der Luft, aus Wasser und gelösten Mineralstoffen unter Lichteinwirkung Sauerstoff und Glukose (Traubenzucker) her. Überwintern wird für Laubbäume erst möglich, wenn die Blätter nicht mehr mit Wasser für die Photosynthese versorgt werden müssen. Im kalten Boden können die Wurzeln dann kein Wasser mehr aufnehmen. Blätter könnten bei Frost nicht mehr als Wasserspeicher funktionieren und würden dann das Wasser nicht verdunsten.

 

Laubbäume entziehen deshalb im Herbst ihren Blättern Wasser und Nährstoffe. Die Produktion von Chlorophyll (Blattgrün) wird ebenfalls eingestellt. Die Blätter welken und färben sich gelb, rot und braun. Je nach Wasserbedarf und Standort werfen Laubbäume ihre Blätter früher oder später ab. Sie sind sommergrün. Die meisten Laubbäume bilden zum Abwerfen des Laubes Trenngewebe an der Basis der Blattstiele. Zellbestandteile oder Zellschichten lösen sich über den gesamten Stielquerschnitt auf, die Blätter fallen zu Boden. Die Nährstoffe, die der Baum in der kalten Jahreszeit nicht benötigt, werden bis zum nächsten Frühjahr im Wurzelbereich zwischengespeichert.

 

Einige andere Bäume wie die Stieleiche bilden kein Trenngewebe, sondern verstopfen nur Zufuhr und Abgabe von Feuchtigkeit und Nährstoffen zu den Blättern, die braun am Baum verbleiben und erst im Frühjahr abfallen.

 

Die Fichte sticht, die Tanne nicht! Die Fichtennadeln hier im Bild sind spitz, viereckig im Querschnitt und sitzen auf kleinen braunen, verholzten Nadelstielchen. Wenn die Nadeln absterben, schrumpfen sie an der Kontaktfläche zu den Nadelstielchen und fallen ab. Tannennadeln sind flach und breiter, mit gekerbter oder flacher bis runder Spitze, an der Unterseite haben sie vertieft liegende Spaltöffnungen, über die der Gasaustausch mit der Umgebung stattfindet. Mit ihrem verbreiterten Fuß wachsen sie direkt auf dem Zweig.

Im Vergleich zu Blättern haben Nadeln eine kleinere Oberfläche. Sie sind im direkten Vergleich robuster, benötigen weniger Nährstoffe und Feuchtigkeit. Durch eine Wachs- und Harzschicht sind sie besser vor Frost und Verdunstung geschützt. Nadelbäume, abgesehen von der Lärche, werfen ihre Nadeln im Winter nicht ab, sie sind immergrün. Die Nadeln erneuern sich ständig, bleiben je nach Baumart ein bis mehrere Jahre am Baum, bis sie über das ganze Jahr verteilt abfallen und neue Nadeln nachwachsen.

Als Tee gegen Husten und Schnupfen haben Tannennadeln infolge ihres Harzgehaltes eine schleimlösende und belebende Wirkung. Tee aus Fichtentrieben ist gut gegen Husten und Bronchitis, hilft auch bei Frühjahrsmüdigkeit.

 

Die Nadeln der Lärche sind weicher als bei den immergrünen Arten. Die Spaltöffnungen zum Gasaustausch mit der Umgebung sind nicht eingesenkt und nicht durch Wachs geschützt. Die Nadeln färben sich im Herbst goldgelb und fallen ab.

 

Aus gefallenem Laub entwickelt sich neuer Boden. Die Entwicklung von Waldböden geschieht meist ohne äußere Einflüsse. Baumkronen, Wurzeln, Gebüsch und Pflanzen schützen den Boden. Kein Regen kann ihn auswaschen, kein Wind ihn wegblasen. Jedes Jahr bilden die neu gefallenen Blätter eine weitere Schicht Laubstreu. Alle toten organischen Stoffe werden zunächst von den Bodenorganismen zerkleinert und durch deren Stoffwechsel chemisch umgewandelt. Ungestört kann die Zersetzung stattfinden, eine dicke Humusschicht entsteht. Humushaltige Böden können Feuchtigkeit und Nährstoffe speichern und halten sie bereit für das Wachstum der Pflanzen. Vermischt sich Humus noch mit den Tonmineralen des Bodens, entsteht der optimale Waldboden. Wenn wir darauf laufen, federt er unsere Schritte ab.

Der Waldboden lebt! Er ist einer der am dichtesten besiedelten Lebensräume unserer Erde. Pro Quadratmeter wurden in speziellen Waldbodenfallen ungefähr 5000 deutlich sichtbare Tiere größer als 2mm gezählt. Werden noch die mit bloßem Auge nicht mehr sichtbaren Lebewesen berücksichtigt, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus: ein Löffel voll Waldboden enthält mehr Organismen als es Menschen auf der Erde gibt.

 

Neben anderen Pflanzen sind Bäume hervorragende Sauerstoff-Lieferanten. Blätter und Nadeln der Bäume stellen Sauerstoff her, den wir zum Atmen brauchen. Ein ausgewachsener Baum setzt Sauerstoff für 10 Menschen zum Atmen frei und verbessert die Atemluft durch Verdunstung mehrerer 100 Liter Wasser pro Tag.